WDR5- Bücher-Verriss
Redaktion: Ruth Dickhoven / Verriss für „Bücher“ 22.6..2012
Mary L. Longworth: „Tod auf Schloss Bremont“ – Ein Provence-Krimi, Aufbau-Taschenbuch, 17.5.2012, ISBN 656/89823
Tod in der Provence – für mich eigentlich ein todsicheres Krimirezept. Doch diesmal stellte sich das Wohlgefühl durch die Kombination von Lavendel, Zikaden, Aioli und Mord nicht ein. Satzungetüme und Übersetzungsschwächen zerstörten mein provenzalisches Wohlgefühl. Weiterlesen
Krimi-Service bei Scala 12.6.2012
In einem Live-Gespräch stelle ich folgende zwei Krimis vor:
Peter Abrahams: „Verblendet“, Knaur 6/2012, 9,99 Euro, Ü. amerik. Frauke Czwikla, ISBN 507704
Nichts stimmt im Leben von Roy, dem berühmten Bildheuer. Seitdem er die Diagnose hat, unheilbar krank zu sein, gräbt er in seiner Vergangenheit. Und fördert Dinge zutage, die er lieber nichts wissen möchte. Ein unsäglich spannender, auf fast niederträchtige Art doppelbödiger Thriller, der seinem Autor wahrlich alle Ehre macht. Und dem Leser nichts als Vergnügen bereitet. Der hoch ausgezeichnete US-Krimiautor Peter Abrahams auf der absoluten Höhe seiner Spannungsgehässigkeit. Fantastisch! Garant für eine durchwachte Nacht.
Jean-Luc Bannalec: „Bretonische Verhältnisse“ – Ein Fall für Kommissar Dupin. Kiepenheuer&Witsch, 12.3.2012, 14,99 Euro, ISBN 04406-5
In der Bretagne geht es weitaus gemächlicher zu. Wenn auch nicht weniger blutig. . Im ehemaligen Künstlerort Pont Aven wird eines Morgens der Besitzer eines der ältesten und renommiertesten Hotels des Ortes erstochen im Restaurant aufgefunden. Und Kommissar Dupin, wegen seiner vorlauten Klappe aus Paris hierher versetzt, wundert sich, denn der Ermordet war sowieso sterbenskrank. Erst ein streng gehütetes Familiengeheimnis löst den Fall und erlöst Dupin von seiner regen Ermittlungsarbeit. Für Frankreichfans eine Art betronischer Regionalkrimi.
Vorverurteilungen
Am 22.6.2012 wurde auf WDR5, Neugier genügt, kurz nach 10 Uhr morgens mein 18-minütiges Feature über Vorverurteilungen gesendet. Redaktion hat Ursula Daalmann.
Wenige Wochen ist es her, da geriet in Emden ein 17-jähriger Schüler in Verdacht, ein elfjähriges Mädchen vergewaltigt und ermordet zu haben. Kurz nach seiner Festnahme war er für die Bild-Zeitung „der miese Kindermörder von Emden“. Ohne wenn und aber titelte das Boulevardblatt „Der Killer ist ein Schüler“. Ein aufgebrachter Internet-Mob forderte bei Facebook seinen Kopf, wollte ihn gleich erschießen, foltern, an die Wand stellen lassen. Seine Unschuld stellte sich zwar bald schon heraus, doch der Schaden war angerichtet, der junge Mann gebrandmarkt. Einer derjenigen, die auf Facebook zur Lynchjustiz gegen ihn aufgerufen hatten, wurde Ende Mai vom Amtsgericht Emden zu zwei Wochen Arrest verurteilt. Wie entstehen derartige Vorverurteilungen? Was macht eine solche Kampagne mit den Opfern? Und welche Mechanismen lösen sie aus? Ingrid Müller-Münch hat in Gesprächen mit einer Oberstaatsanwältin, einem Medienanwalt, einer Gerichtsreporterin und der Sprecherin des Deutschen Presserates nach Antworten gesucht.
Deals vor Gericht / Neugier genügt
Redaktion Dr. Ingrid König,18-Minuten-Feature, gesendet am 24.5.20
Eigentlich soll im Verlauf eines Strafprozesses geklärt werden, ob der Angeklagte schuldig oder unschuldig ist. Dazu müssen – eigentlich – Zeugen gehört und Indizien geprüft werden. Doch darum geht es längst nicht mehr. Oft ist einziges Bestreben der an einer Hauptverhandlung beteiligten Juristen, das Verfahren möglichst schnell hinter sich zu bringen. Vieles deutet darauf hin, dass wirtschaftliche Erwägungen und nicht die Suche nach Gerechtigkeit und Aufklärung immer häufiger Strafprozesse bestimmen. Kurz und knapp soll die Sache über die Gerichtsbühne gehen. Das gelingt am besten dann, wenn sich die Prozessbeteiligten auf eine Absprache, einen sogenannten Deal einlassen. Für das Geständnis des Angeklagten winkt als Belohnung eine erhebliche Strafminderung. Dadurch wird eine aufwendige Beweisaufnahme abgekürzt, eine zeitraubende Hauptverhandlung erspart. Wer profitiert davon, wer hat das Nachsehen? Ingrid Müller-Münch zur Dealpraxis vor Gericht.
Hafturlaub für Lebenslängliche
In einem Gespräch auf WDR5 / Neugier genügt, habe ich die Diskussion über den von zehn Bundesländern vorgelegten Musterentwurf für ein neues Strafvollzugsgesetz kommentiert. Dreh- und Angelpunkt war hierbei die Frage: Ist der in diesem Gesetzesentwurf vorgesehene § 38 III sinnvoll oder unerträglich. Er sieht vor, dass zu lebenslanger Haft verurteilte Straftäter zukünftig unter Umständen schon nach fünf Jahren ihren ersten Antrag auf einen dreiwöchigen Langzeiturlaub stellen können. Bislang war dies erst nach zehn Haftjahren, in Bayern nach zwölf, möglich. Ich befürworte ein solches Gesetz, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass derartige Anträge sorgfältig geprüft werden. Infrage für eine solch vorzeitige Haftverschonung von 21 Tagen pro Jahren kämen sowieso nur Täter, die der Allgemeinheit nicht mehr gefährlich würden. So zum Beispiel die wegen Mordes an ihrem Ehemann verurteilte Frau, die den verhassten Partner umbrachte, nachdem er sie jahrelang gequält hatte. Und bei der es so gut wie kein Rückfallrisiko gibt. Sinn des vorgezogenen Hafturlaubs wäre es, einem solchen Menschen die Möglichkeit zu geben, Kontakt zu Familie oder Freunden aufrecht zu erhalten. Eine, nach Ansicht von Kriminologen, wesentliche Unterstützung bei der angestrebten Resozialisierung auch von zu lebenslanger Haft verurteilten Straftätern.
Krimi-Service bei Scala / WDR5
Beim Krimi-Service von Scala auf WDR5 habe ich am 20.3.2012 folgende zwei Bücher vorgestellt:
Liza Marklund: „Weisser Tod“, Ulstein, 2/2012, 19,99 Euro, ISBN 550087523, Ü. schwed. Anne Bubenzer und Dagmar Lendt
Ein Spannungshit der Weltklasse. Nach einigen Flops ist Liza Marklund wieder in Spitzenform. Endlich mal wieder ein Thriller, in dem es nicht nur um martialische Morde sondern auch um politische Hintergründe hierzu geht. Ein Krimi, den ich an einem Tag verschlungen habe. Lange nicht mehr so ein befriedigendes Leseerlebnis gehabt. Harter Tobak, sehr realitätsnah, wie Marklund es liebt. Aber umwerfend fesselnd.
Fred Vargas: „Die Nacht des Zorns“, Aufbau, 22,99 Euro, ISBN 351033804, Ü. franz. Waltraud Schwarze, 3/2012
Wieder eine ausgesprochen schräge Geschichte, bei der Kommissar Jean-Baptiste Adamsberg zwischendurch mal eine regelrechte Aversion gegen Zuckerstücke entwickelt. Auch wenn sie zu guter letzt sämtliche Rätsel lösen und die erforderliche Anzahl an Mördern überführen. Doch bis dahin ist es ein langer, teils märchenhaft vernebelter, oft in die Irre führender Weg, der Adamsberg und seine Equipe von Paris aus in die hintersten Winkel der Normandie führt. Für Leser, die nicht immer mit beiden Beinen auf der Erde bleiben wollen. Und sich darauf verlassen können, dass Fred Vargas sie genau dorthin wieder zurückholt – allerdings erst nach einem grandiosen Fantasie-Feuerwerk.
Die telefonische Mordsberatung
Ausgestrahlt am 25.2.2012, live aus der Stadtbücherei von Oberhausen. Redaktion Petra Brandl-Kirsch. Moderation Thomas Hackenberg. Die Krimi-Experten waren Reinhard Jahn, Ulrich Noller und Ingrid MüllerMünch. Nachzuhören ist die Sendung unter wdr5 / Sendungen / Die telefonische Mordsberatung. Hier findet sich auch die Liste der vorgestellten Krimis.
Die Angst der Richter im Gerichtssaal
Redaktion Dr. Ingrid König. Neugier genügt, 18-Minuten-Feature über Gewalt im Gerichtssaal. Sendetermin: 7.2.2012
Im Dachauer Amtsgericht sah alles an diesem 11. Januar 2012 nach einem Routineverfahren aus. Doch nachdem ein Angeklagter zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war, zog der 54-jährige eine Waffe und zielte auf den Richter. Der konnte sich ducken, stattdessen wurde der Staatsanwalt tödlich getroffen. Dieser Dachauer Todessschuss war kein Einzelfall. Immer wieder kommt es vor Gericht zu Schüssen, Messerattacken und körperlichen Übergriffen. Wie gefährlich leben eigentlich Richter, wollte Ingrid Müller-Münch wissen, und befragte hierzu Strafkammervorsitzende und Richter an Amts- und Landgerichten. Die meisten ihrer Interviewpartner zogen es vor, anonym zu bleiben.
Zartbitter-Geburtstagsfeier und Fachtagung
Am 6. Februar feierte Zartbitter e.V. Köln den 25. Geburtstag – und 350 Gäste erschienen zu Feier und Fachtagung in einem. Moderiert wurde die Veranstaltung von Ingrid Müller-Münch. Einen Tag lang wurde im großen Theatersaal der Kölner Comedia Coloniea zurückgeblickt und vorausgeschaut. Experten und Expertinnen diskutierten und referierten über Missbrauch in Institutionen, sexuelle Übergriffe unter Kindern im Grundschulalter, Cyber-Mobbing. Motto der Jubiläumsveranstaltung lautet: „Grenzen achten. Schutz vor Missbrauch in Institutionen und Cyber-Mobbing“
Zwischendurch hatte ich Tränen in den Augen
Am 31.1.2012 sendete „Neugier genügt“, WDR5, so ab 10.05 Uhr, Wiederholung 23.05 Uhr, ein 18-minütiges Feature über Demütigungen in Jobcentern und warum das so ist.
Die Zahl der Arbeitslosen geht zurück. In manchen Branchen gibt es sogar einen regelrechten Fachkräftemangel. Doch nicht jeder Arbeitslose kann vermittelt werden. Allein in Köln beträgt die Arbeitslosenquote immer noch neun Prozent. Viele sind längst zu Hartz-IV-Empfängern geworden und müssen sich regelmäßig bei den Jobcentern melden. Wie schwer ihnen dies fällt, wie demütigend dieser Gang für so manch einen ist, wie unqualifiziert oft die Beratung ausfällt und warum dies so ist zeigt die folgende Reportage von Ingrid Müller-Münch. Sie sprach nicht nur mit Hartz-IV-Empfängern sondern auch mit Sachbearbeitern der Jobcenter, die ihren Arbeitsalltag schilderten – anonym, aus Angst vor Kündigungen.