Krimi-Sendungen

Zwei Krimis, vorgestellt bei Scala, WDR5, am 16.11.2021

Sie könnten unterschiedlicher nicht sein, die beiden Krimis, die ich heute im Gepäck hatte. Der eine, ein Krimi-Newcomer, der zweite eine sichere längst erprobte Bestseller-Autorin. Doch beide eint etwas, das sie herausragen lösst aus dem Gros dieses Genres: Sie spielen in Umgebungen, die uns fremd sind, uns unterhaltsam und voller Wortwitz und Ironie nahegebracht werden. Mag es das jüdische Milieu Frankfurts sein oder die sanften Hügel Irlands:

Michel Bergmann: „Der Rabbi und der Kommissar: Du sollst nicht morden“, Heyne 13.10.202, TB 11 Euro +

Tana French: „Der Sucher“, Fischer-Scherz-Verlag, 29.9.2021, Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann, 22,90 Euro, 493 Seiten

Weiterlesen

Scala, WDR 5, zwei Krimis – Schauplätze in Moskau und Glasgow

Krimi-Service  Dienstag, 14.9.2021      Ich stelle folgende zwei Krimis vor:

Yassin Musharbash; Russische Botschaften“, Kiepenheuer&Witsch, 19.8.2021, 16 Euro, knapp 400 Seiten +

Liam Mcilvanney: „Ein frommer Mörder“, Heyne, 12.7.2021, 14,99 Euro, Übersetzt Englischen Sabine Lohmann, 446 Seiten 

Müssen Journalisten auf der Suche nach der Wahrheit um ihr Leben fürchten? Steckt der russische Geheimdienst hinter Morden und weltweit gestreuten Fakenews? Investigativer Journalismus kann lebensgefährlich sein, wie einer der beiden von Ingrid Müller-Münch vorgestellten Krimis zeigt. Während der zweite, von einem Professor für Schottland-Studien geschrieben, ins Glasgow der 1968er Jahre zurückversetzt und einen Frauenmörder der besonderen Art jagt. Zwei Krimis, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Weiterlesen

Selbstjustiz im Krimi – auf Scala vorgestellt.

In Madrid läuft eine angesehene Journalistin Amok und verübt nach Gutdünken Selbstjustiz. In St. Petersburg tobt sich ein Staat mithilfe seiner Handlanger in Geheimdienst und Mafia brutal aus. Ingrid Müller-Münch auf den Spuren von Willkür, Gier und Selbstüberschätzung. Buchangaben: Santiago Diaz: „Talion – Die Gerechte“, Heyne, Mai 2021, Übersetzt aus dem Spanischen von Anja Rüdiger, 14,99 Euro, 540 Seiten + G.D.Abson: „Tod in weissen Nächten“, rororo, 18.5.2021, Übersetzung aus Englisc

Klima und Alba Nera, am 11.05.2021 auf WDR5, Scala

Darf ein Umweltschützer zu allen Mitteln greifen, um die Welt zu retten? Gibt es irgendwann Grenzen? Am 11.05.2021 habe ich auf WDR5, Scala, den Krimi des US-Bestsellerautors David Klass „Klima – Deine Zeit läuft ab“ vorgestellt. Klass geht genau diesen Fragen nach – und inszeniert ein spannendes Wettrennen um Recht und Gesetz. Während ein römischer Richter  und Autor, Giancarlo de Cataldo in „Alba Nera“ ganz tief hinabtaucht in die Welt der Perversen und Mächtigen. Nachzuhören bei WDR5, Scala, 11.05.2021, Ingrid Müller-Münch Weiterlesen

Verweigerung und Der Tausch – 2 Rezensionen auf WDR 5 Scala, 23.02.2021

Auf WDR 5 im Kulturmagazin Scala läute ich das Krimi-Jahr 2021 mit vielversprechender Spannungsliteratur ein. Im ersten Fall ringen zwölf Geschworene um die Wahrheit, werden von einem Freispruch überzeugt und müssen mit den unerwarteten und tödlichen Folgen klarkommen. Im zweiten Fall, ebenfalls aus den USA, tauschen zwei Frauen auf der Flucht am Flughafen ihre Tickets. Keine hat mit dem gerechnet, was sie von nun an erwartet. Weiterlesen

Scala, WDR 5, Live-Gespräch zum 100. Geburtstag von Patricia Highsmith

Patricia Highsmith würde heute 100 Jahre alt. In die literarische Weltgeschichte ging sie als die Autorin ein, die den Ekel liebte, das Böse vergötterte, sich keinerlei Moral verpflichtet fühlte und geradezu besessen war von Scotch, Wodka, Katzen und schleimigen Schnecken. Ihre Leserschaft hatte dies auszubaden – und tat es offenbar gerne. Unsere Krimi-Expertin Ingrid Müller-Münch hat ein zwiespältiges Verhältnis zu dieser weltberühmten Autorin: Sie ist von ihr gleichermaßen angezogen wie auch abgestoßen. Weiterlesen

Eine kriminalistische Zeitreise auf WDR 5, Scala, im November 2020

https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-scala-buecher/audio-das-verschwinden-des-dr-muehe-und-die-fck-it-liste-100.html

Zwei Krimis – eine Zeitreise. Vom Berlin der 30er Jahre hin in eine düstere Zukunft Amerikas nach zwei Amtszeiten Trump. Unsere Krimi-Expertin Ingrid Müller-Münch nimmt sie mit auf die Reise, die eine unblutig und dennoch spannungsgeladen, die andere gezielt losgeschossen.

Weiterlesen

Krimiservice: „Blutzahl“ und „Kein falscher Schritt“ / September 2020 WDR5 Scala

https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-scala-buecher/audio-krimiservice-blutzahl-und-kein-falscher-schritt-102.html

Thomas Enger / Jorn Lier Horst: „Blutzahl“, Blanvalet, 21.9.2020, Übersetzung aus dem Norwegischen Maike Dörries und Günther Frauenlob, 477 Seiten, 11 Euro

+

Brad Parks „Kein falscher Schritt“, Fischer, 26.8.2020, Übersetzung aus amerikanischem Englisch: Helga Augustin, 14,99 Euro, 431 Seiten, 3. Thriller

 Zwei Gegensätze, beide stehen für sich. Unsere Krimi-Expertin stellt diesmal einen klassischen Whodunit – also die ausschließliche Jagd nach einem Mörder – einem Thriller gegenüber, in dem sich die ganze Welt der Korruption und des Vertuschens angesichts eines drohenden Bankenskandals unschön entfaltet.

 

Muss ein Krimi ein wichtiges gesellschaftspolitisch relevantes Thema behandeln, um ernst genommen zu werden? Muss es um Ausbeutung in der Dritten Welt, Terroranschläge, korrupte Politiker, Geldwäsche oder wenigstens einen Bankencrash gehen? Oder reicht es, um unterhaltsam zu sein, einen Mörder zu suchen, dabei vor Spannung mitzubeben – und sich dabei vortrefflich zu unterhalten? Den Beweis, dass dies auch heute noch reicht – und nicht nur bei den teetrinkenden old english Ladies von Annodazumal funktionierte – tritt der von einem norwegischen Duo geschriebene, in Kürze erscheinende Krimi „Blutzahl“ an. Als Gegensatz hierzu zeigt „Kein falscher Schritt“, dass natürlich auch ein politisches Thema die Leser in Atem halten und sie für Stunden aus dem Verkehr ziehen kann. Unsere Krimi-Expertin Ingrid Müller-Münch hat sie beide gelesen:

 

 Autorin: Als die Journalistin Emma Ramm erfährt, dass genau an diesem Morgen Sonja Nordstrom verschwunden ist, klingeln bei ihr sämtliche Alarmglocken. Es muss etwas Schwerwiegendes passiert sein, warum sonst sollte die weltbekannte Spitzensportlerin die für heute terminierten Interviews mit Journalisten platzen lassen, denen sie ihr neues Buch präsentieren wollte. Für die ehrgeizige Emma Ramm gibt es kein Halten mehr. Sie kennt die Adresse der Nordstrom. Also macht sie sich auf den Weg.

 

Sprecher: Auch nach dem dritten Klingeln blieb es still im Haus. Aus einem Impuls heraus legte Emma eine Hand auf die Türklinke und stellte überrascht fest, dass die Tür nicht verschlossen war. Emma nahm die Hand von der Klinke, und die Tür glitt langsam in ihre Richtung auf. Sie machte einen Schritt nach vorne. Schob den Kopf ein kleines Stück in einen breiten Flur mit dunklen Bodenfliesen. Ein Stück weiter hinten sah sie einen umgekippten Garderobenständer. Auf dem Boden davor lagen Glassplitter, der große Spiegel an der Wand war zu Bruch gegangen. „Sonja Nordstrom?“ rief sie in den Flur hinein und merkte, dass ihre Stimme zitterte.

 

Autorin: Doch nichts rührt sich. Alles bleibt still. Und von der Nordstrom im ganzen Haus keine Spur. Eines vor allem ist merkwürdig.

 

Sprecher:  Der Fernseher lief. Irgendein Sportkanal. Mitten auf dem Bildschirm klebte eine Startnummer. Nummer eins.

 

Autorin: Zu dem Zeitpunkt, als alles begann, ahnt Emma Ramm noch nicht, welche Bedeutung diese Ziffer in Zukunft haben wird. Denn der Nummer eins folgen weitere Zahlen und damit jedesmal weitere Tote. Nur die Nordstrom bleibt verschwunden. Und irgendwann ist klar, da ist ein Serienmörder am Werk, der sich einen Spaß daraus macht, seine Opfer mit Ziffern zu markieren. Was nicht nur für Emma Ramm, die Journalistin, sondern auch für Alexander Blix vom Osloer Dezernat für Gewaltverbrechen eine Tour de Force bedeutet. Auf der Suche nach demjenigen, der seine Opfer nummeriert und dies auch schonmal per Post kundtut.

Sprecher: Blix drehte den Umschlag noch einmal um. Auf der Rückseite stand kein Absender. „Der ist heute früh mit einem Boten gekommen“, informierte sie die Frau am Tisch gegenüber. „Wie lange ist das her“, fragte Blix. „Tja, ein paar Stunden, würde ich sagen.“ Blix runzelte die Stirn, öffnete den Umschlag und nahm das Foto heraus. Ihm stockte der Atem. Es war eine Vier.

 

Autorin: „Blutzahl“ ist ein geradezu klassischer Whodunit, stand auf Platz Eins der norwegischen Bestsellerliste. Geschrieben von Thomas Enger und Jorn Lier Horst. Beide sind weit über Norwegen hinaus bekannt. Ihre Krimis wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Mit „Blutzahl“ schufen sie nun gemeinsam eine gnadenlos dichte Suche nach einem Mörder. Der Klassiker per se. Wären da nicht die Schicksale der Jäger, der Polizisten, der Journalistin. Schicksale, die sich erst nach und nach entschlüsseln und weit in die Vergangenheit hineinreichen. Denn einst, als Emmas Vater ihre Mutter tötete, spielte Kommissar Alexander Blix eine fragwürdige Rolle bei dem Geschehen.

„Blutzahl“ ist der Auftakt einer vielversprechenden, bislang gänzlich unpolitischen aber überaus unterhaltsamen Serie.

Anders als der Thriller: „Kein falscher Schritt“ des US-Amerikanischen Bestseller-Autors Brad Parks.

 

Sprecher: Diese Geschichte ist frei erfunden. Allerdings….Die Idee dazu basiert auf dem Skandal um die US-Bank Wachovia, die von 2004 bis 2007 die gesetzlich vorgeschriebenen Kontrollen zur Geldwäsche ignorierte. Dadurch konnten mindestens 378 Milliarden Dollar über mexikanische Geldwechselstuben, die casa die cambio, hin und her transferiert werden.

 

Autorin: Diese Anmerkungen macht der Autor Brad Parks gleich zur Einführung in seinen Thriller. So weiß gleich jeder, dass es hier nicht um Kinkerlitzchen und Fantastereien geht, sondern um die knallharte Wirklichkeit. Der ehemalige Journalist der Washington Post malt sich auf über 400 Seiten aus, wie es ist, wenn mexikanische Drogenbosse und nordamerikanische Banker gemeinsame Geschäfte machen.

 

Sprecher: Als Erstes muss ich klarstellen, wie absolut wahnwitzig ich es finde, dass die Bankenaufsicht es den Banken überlässt, sich selbst zu regulieren. Die Behörden gehen davon aus, dass Banker ehrlich sind und es der Kunde ist, der die ahnungslose Bank betrügt.

 

Autorin: An dieser Stelle nun kommt der arbeitslose Schauspieler Tommy Jump ins Spiel. Eines Tages lauern ihm zwei FBI-Agenten auf, locken mit viel Kohle und bieten ihm einen Job an, den er genau wegen der Dollars nicht ablehnen kann. Einen Job, in dem seine Fähigkeiten als Schauspieler gefragt sind. Seine Freundin ist ebenso erfolglos als Malerin wie er brotlos als Schauspieler lebt. Außerdem ist sie schwanger. Mit dem Geld könnte er eine Weile seine neue Familie ernähren. Die Sache hat nur einen Haken: Er soll, unter neuer Identität, in ein US-Gefängnis eingeschleust werden und dort einen einsitzenden ehemaligen Banker, der an Geldwäsche-Transaktionen beteiligt war, aushorchen. Der Mann hat, als ihm der Boden zu heiß wurde, Beweismittel beiseitegeschafft, mithilfe derer er so einigen Bankern zu einem Freifahrtschein in den Knast verhelfen könnte. Und genau diese Beweise soll Tommy Jump, unser arbeitsloser Schauspieler, nun heranschaffen. Im Rücken das mexikanische New Colima Kartell, an seiner Seite das FBI. Langsam wird ihm etwas mulmig zumute.

 

Sprecher: Das hier war kein Gangsterfilm. New Colima war kein Haufen flotter Mexikaner in weißen Leinenanzügen, die auf einer malerischen Hazienda mit Meerblick Zigarren rauchten und Sangria tranken. Es waren brutale, seelenlose Killer, denen ein Menschenleben absolut nichts wert war. Sie folterten die Todgeweihten allein wegen des Entsetzens, das es bei den Lebenden auslöste. Sie respektierten kein Gesetz, keine Regierung und hatten nicht das geringste Bedürfnis, wie andere anständige Menschen in Frieden zu leben. Und ich war dabei, mich in ihr Universum zu begeben – in ihre Nähe, wenn nicht sogar in ihr Fadenkreuz.

 

Autorin: Detailreich bis ins Groteske schmückt Parks die Gefängnisszenen aus. Der Thriller „Kein falscher Schritt“ ist wie das Balancieren auf der Schneide eines Messers. Die Gefahr, abzustürzen, lauert ständig.  Geschrieben von einem vor Phantasie berstendem Schreibgenie.

 

 

 

 

 

Guillaume Musso und Elisabeth Hermann, Scala-Krimi-Service v. 21.7.2020

Der französische Schrifsteller Guillaume Musso gilt derzeit als der meistgelesene Autor Frankreichs. Und tatsächlich, wer seinen neuesten Krimi „Ein Wort, um dich zu retten“ liest, versteht die Faszination, die von seinen Büchern ausgeht. Sie langweilen nie, sorgen für eine angemessen Portion an Schauer und versprechen unkonventionelle Lösungen. Während Elisabeth Hermann, Favoritin unter den deutschen Krimiautoren, durchaus mit ihrem französischen Kollegen mithalten kann. Ingrid Müller-Münch hat diesmal etwas für die Reiselustigen im Gepäck, auf die am Mittelmeer ein verschrobener Schriftsteller und eine blutige Leiche warten. Während sich die zuhause gebliebenen Leser auf eine Betriebsprüfung ganz besonderer Art gefasst machen müssen.

Weiterlesen

Donna Leon: „Geheime Quellen“, auf „Bücher“, WDR 3, 27.5.2020

Donna Leon: „Geheime Quellen“, Commissario Brunett5is 29. Fall, Diogenes 27. Mai 2020m Übersetzung aus dem amerikanischen Werner Schmitz, 316 Seiten, 24 Euro

Teasertext

Fade war sie die letzten Male. Ihrer Stadt Venedig überdrüssig. Und ihr Commissario Brunetti wirkte lustlos, auserzählt. Doch irgendwas hat sich diesmal geändert. In Donna Leons 29. Fall kommt plötzlich wieder Drive in die Geschichte.

Weiterlesen